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INTERTON TRIO

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Dreieicher „Oscar fürs Lebenswerk“

Interton Trio erhält zu seinem 60-jährigen Bühnenjubiläum Ehrenpreis der Stadt

Optisch ein Hauch Bee Gees, aber musikalisch Schlager statt Disco: Hans Lenk, Helmut Sauer und Karlheinz Kastner (von links) 1973 im Womanizer-Look. © privat

Dreieich – Diese Band hält ein besonderes Band zusammen. Seit 60 Jahren gehen Helmut Sauer, Hans Lenk (beide 77) und Karlheinz „Cassy“ Kastner (80) durch dick und dünn. Und nicht nur die vielen mit ihnen in die Jahre gekommenen Fans wissen, was sie an den drei Musikern haben. Auch die Stadt honoriert ihre Verdienste – sozusagen mit einem „Oscar fürs Lebenswerk“. Wenn am Donnerstag, 4. September, der Geschichts- und Heimatverein Dreieichenhain und der Gitarrist Sascha Teuber den Kulturpreis 2024 erhalten, werden die „alten Haudegen“ mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet.

Zu dritt auf dem Moped zum Auftritt

Wer auf der Homepage des Interton Trios mal in die Entstehungsgeschichte reinhört (richtig gelesen, kann man sich anhören!), wird ins Schmunzeln geraten. Die Anfangszeiten erinnern an einen Musikfilm mit Peter Alexander aus den 50er- oder 60er-Jahren. Zu dritt auf dem Moped samt Instrumenten düsten die Drei nach Langen zu einem Auftritt. Später haben sie einen Kleinwagen und lassen sich chauffieren – von einem nachtblinden Fahrer.

Was seine Wurzeln 1959 in einer Schülerband an der Goethe-Schule (heute Heinrich-Heine-Schule) hatte, entwickelte sich über jetzt sechs Jahrzehnte zu einer festen Größe in der regionalen Musikszene – eine Geschichte voller Leidenschaft, Zufälle und musikalischer Meilensteine. Sauer (Gitarre, Gesang), Kastner (Bass) und Lenk (Akkordeon) können für sich reklamieren, die älteste Band Deutschlands zu sein, die seit der Gründung in unveränderter Formation spielt.

Lenk und Sauer musizierten bereits in der Schule gemeinsam. Auch nach dem Abschluss blieb die Musik ein verbindendes Element – zunächst in der Berufsschule, wo ein Lehrer das Organisationstalent von Helmut Sauer entdeckte. So wurde er beauftragt, das Schulfest auf die Beine zu stellen, das in der Turnhalle des TV Langen stattfand. Bei diesem Auftritt entstand die Idee, das Duo zu erweitern. „Der Zufall wollte es, dass ich bei einer Party neben Karlheinz Kastner saß. Wir sangen und trommelten die ganze Nacht – und am nächsten Morgen war Cassy Teil der Band“, erzählt Sauer. Der „Probevertrag“ wurde mündlich in Sekunden geschlossen – und hält bis heute.

Mit Kastners Einstieg begann die professionelle Phase: Instrumente und Technik wurden angeschafft – damals eine kostspielige Investition. Erste Engagements in Tanzlokalen waren schwer zu bekommen, doch ein Anruf der Agentur Apelt änderte alles. Eine Schweizer Profiband aus dem Umfeld von Hazy Osterwald hatte sich aufgelöst, und die Sprendlinger sollten deren Verträge übernehmen – unter deren Namen Interton Trio, den die Band nicht mehr ablegte.

Eines der ersten Engagements führte in die Maxim Bar in Bad Homburg – ein Glücksfall, wie sich herausstellen sollte. Die musikalische Qualität des Trios verbesserte sich durch die regelmäßigen Auftritte spürbar. Angebote für eine professionelle Karriere schlugen die Drei dennoch aus – Hans Lenk wollte seine Beamtenlaufbahn nicht aufgeben. Noch heute ziehen ihn die anderen gern damit auf.

In legendären Tanzclubs gespielt

In den folgenden Jahren avancierte das Interton Trio zu einer der Top-Bands der Tanzlokale im Rhein-Main-Gebiet: Henninger Turm, Waldschwimmbad Neu-Isenburg, Automaten-Jost Offenthal, Frankfurter Haus in Neu-Isenburg, Café Nackisch in Urberach – der Terminkalender war voll. Dass die Musiker inzwischen mit Hazy Osterwald befreundet waren, gab ihnen weiteren Auftrieb.

Mit dem Wandel der Veranstaltungslandschaft begann die Zeit der Bürgerhäuser und Großveranstaltungen. Das Interton Trio wurde zur Stammkapelle des Sprendlinger Bürgerhauses – ob Silvesterball, Fastnacht oder Tanzabend, das Interton Trio sorgte für gute Laune.

Heute spielen sie meist bei Hochzeiten, Geburtstagen oder anderen Privatfeiern. Das Markenzeichen der Dreieicher ist handgemachte Musik, ohne Verstärker und Strom. Ein festes Programm haben sie selten, gerne spielen sie auf Zuruf. Gerne nehmen sie ihre Zuhörer auch mit auf eine musikalische Zeitreise durch die Wirtschaftswunderjahre.

Hans Lenk, Helmut Sauer und Karlheinz Kastner haben ein großes Herz und spielen oft für den guten Zweck. Herausragendes Beispiel: Für die Speisekammer Neu-Isenburg sammelten sie bei acht Konzerten rund 100000 Euro ein. Und wie lange will das Trio noch weitermachen? Augenzwinkernde Antwort: „Bis 100 – und dann treten wir etwas kürzer.“FRANK MAHN

Ausgebucht

ist das Jubiläumskonzert des Trios am Samstag, 18. Oktober, in der Halle der SKG Sprendlingen.