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Kulturelle Aushängeschilder der Stadt

Stadt zeichnet Musiker Sascha Teuber, GHV Dreieichenhain und Interton Trio aus

Stimmungsvolle Kulturpreisverleihung im Burgkeller: Das Foto zeigt (von links) Bürgermeister Martin Burlon, Preisträger Sascha Teuber, Stadtverordnetenvorsteherin Bettina Schmitt, Karlheinz Kastner (Interton Trio), Laudator Martin Winkler (Leiter Musikschule), Hans Lenk, Helmut Sauer (beide Interton Trio), Roger Heil (GHV), Laudatorin Kim Bagus (Geschichtsverein Buchschlag) und Ingo Holzmann (GHV). © MICHAEL HÄFNER

Dreieich – Das Interton Trio rockt den Burgkeller: Die Gäste des Kulturpreises der Stadt Dreieich werden von Helmut Sauer, Hans Lenk und Karlheinz „Cassy“ Kastner, die seit 60 Jahren gemeinsam auf der Bühne stehen, mit dem Klassiker „Rote Lippen soll man küssen“ von Cliff Richard empfangen. Die Stimmung ist beschwingt.

Dass das Gemäuer heute die am besten erhaltene historische Turmburg in Deutschland ist, ist dem Geschichts- und Heimatverein zu verdanken.

Laudatorin Kim Bagus

Martin Burlon hat zur Feier des Tages die goldene Bürgermeister-Kette angelegt und der Gewölbekeller ist voll besetzt. Seit 40 Jahren verleiht die Stadt an Gruppen oder Menschen, die sich für das kulturelle Leben engagieren, den Kulturpreis. Die Auszeichnung ist mit 2500 Euro dotiert.

„Dreieich hat über die Stadtgrenzen hinweg eine große Strahlkraft entwickelt und ist heute ein bedeutender Kulturstandort in der Region Rhein-Main“, betont Burlon. Er verrät, dass die Jury, besetzt mit der Vorsitzenden des Geschichtsvereins Buchschlag, Kim Bagus, Kunsttage-Initiatorin Ilse Dreher, Künstlerin Tanja Hoffmann, Musikschulleiter Martin Winkler und für den Fachausschuss die Kommunalpolitiker Astrid Paluch und Marco Lang, die Preisträger aus zehn Nominierungen auswählten.

Das Interton-Trio nimmt den Preis fürs Lebenswerk entgegen (wir berichteten). Burlon lobt besonders das soziale Engagement, mit dem das Trio durch Benefizkonzerte die Arbeit der Bürgerhilfe Dreieich und die Speisekammer in Neu-Isenburg unterstützt.

Sascha Teuber gewinnt eine Hälfte des Kulturpreises 2024 – der Preis wird rückwirkend vergeben. Seit 1992 ist er Lehrer für E-Bass, Kontrabass und E-Gitarre an der Musikschule Dreieich und seit 2009 Fachbereichsleiter für Popmusik. Musikschulleiter Martin Winkler erzählt in seiner Laudatio, wie breit der Bassist aufgestellt ist. Teuber hat mit einem Stipendium am renommierten Berklee College of Music in Boston in den USA sein Diplom mit Auszeichnung bestanden. Er ist Gründer und Leiter der Rock- und Popband Black and Blue der Musikschule. Winkler lobt die pädagogische Meisterleistung, seit 30 Jahren immer wieder neue Jugendliche in die Band zu integrieren. Teuber spielt selbst auf vielen Bühnen des Landes: in der Bigband des Bayerischen Rundfunks in Nürnberg, im Volkstheater Frankfurt, im Liesel-Christ-Quartett oder in der Komödie in Frankfurt. „Du hast schon mit Größen des Showgeschäfts die Bühne geteilt, unter anderen Tony Marshall, Paul Kuhn, Albert Mangelsdorff, Harald Juhnke, Dunja Rajter und Helene Fischer“, zählt der Laudator auf und gratuliert zu dem „wohlverdienten Preis“.

Natürlich gibt auch Sascha Teuber eine Kostprobe seines musikalischen Könnens vor dem Publikum in Dreieichenhain. Er spielt E-Bass und Kontrabass, zusammen mit dem Pianisten Jo Flinner und dem Schlagzeuger Dieter Plaue – der Sound ist ganz anders als der des Interton Trios, aber der Applaus für die jazzigen Töne fällt mindestens genauso begeistert aus. Teuber bedankt sich bei seinen Eltern, dass sie seinen Weg in die Musik immer unterstützt haben und widmet seinem im vergangenen Jahr verstorbenen Vater ein Lied.

Verjüngungskur ist geglückt

Zweiter Preisträger – und gleichzeitig Gastgeber – ist der Geschichts- und Heimatverein (GHV) Dreieichenhain. „Seit über 90 Jahren ist er Eigentümer der Burg Hayn. Seitdem kümmert sich der Verein mit viel Engagement um den Erhalt der Burg- und der zugehörigen Gartenanlage“, bedankt sich Martin Burlon. Laudatorin Kim Bagus schlüpft in die Rolle der kleinen Schwester und klopft dem großen Bruder GHV Dreieichenhain anerkennend auf die Schulter. Sie lobt die geglückte „Anti-Aging-Behandlung“ des deutlich verjüngten Vorstands und weiß, dass der Erhalt der tausend Jahre alten Turmburg nicht von alleine gelingt. „Dass das Gemäuer heute die am besten erhaltene historische Turmburg in Deutschland ist, ist dem Verein zu verdanken“, sagt sie. Den nächsten großen Brocken habe der Vorstand mit dem neuen Projekt vor der Brust, dem Erhalt und Betrieb des historischen Faselstalls in Sichtweite zur Burg. Er soll unter Führung einer Genossenschaft wieder ein Gasthaus werden. Bagus beglückwünscht den Verein zum 100. Geburtstag der Freilichtbühne und wünscht alles Gute für die nächsten hundert Jahre.

Roger Heil, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins, erinnert in seiner Dankesrede daran, wie seine Vorgänger 1881 mit der Vereinsgründung die Schutzschicht des Palas entfernt und mit der Sanierung des Mauerwerks begonnen haben. Es war der Start für unzählige Aktivitäten in den folgenden mehr als 140 Jahren rund um den Erhalt der historischen Burganlage – das bis heute wichtigste Vereinsziel. Der GHV zählt aktuell 530 Mitglieder – Tendenz steigend. Der personelle Aufschwung geht auch mit der Rettung des Faselstalls einher.NICOLE JOST